„Trauer als eine natürliche Facette des Kita-Alltags“
DRK-Kitas etablieren den Trauerkoffer als Methode im Umgang mit Abschied, Tod und Trauer.

Nichts wirkt auf den ersten Blick ferner als die Verortung des Themas Tod und Trauer im quirligen und lebendigen Kita-Alltag. Doch was zunächst abwegig klingt, spiegelt eine ganz natürliche Facette des Kita-Alltags wider, erklärt Barbara Huhn, Leiterin der DRK-Kita „Die kleinen Strolche“ in Ladbergen: „Schicksalsschläge wie der Verlust eines geliebten Menschen, Krankheit oder ein plötzlicher Unfall im näheren Umfeld, sind ebenso Teil des Lebens von Kindern wie von Erwachsenen.“
Trauer richtig deuten
Als pädagogische Fachkraft in einer Kindertagesstätte stellt sich bei solch einer Situation sehr schnell die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem Kind. Ein sehr nützliches Tool kann der sogenannte Trauerkoffer sein. Beim Trauerkoffer handelt es sich um ein bunt gemischtes Repertoire von Herangehensweisen an kindliche Trauer. Denn wie Huhn berichtet, unterscheidet sich kindliche Trauer zu der von Erwachsenen erheblich: „Kinder, die von Trauer betroffen sind, springen häufig in ihren Emotionen. Sind sie beispielsweise in dem einen Moment noch sehr traurig, können aber im nächsten Moment schon ausgelassen im Garten toben.“ Das Phänomen nennt sich im Fachjargon auch „Pfützentrauer“ und ist ganz typisch für Kinder. Umso wichtiger ist, dass Fachkräfte oder auch Eltern diese Form der Trauer richtig deuten und nicht als fehlende Trauer missverstehen.
Im Fall der Ladbergener Kita ist der Koffer eine stabile Holzkiste und mit Büchern, Malutensilien, Steinen zum Verzieren, Glitzer-Schutzengeln, Karten zur Gefühlsbestimmung, Sorgenpüppchen und einer Igel-Wärmfalsche bestückt. Die Individualität des Koffers lässt sich sinnbildlich auch auf die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse des Kindes in Trauerphasen übertragen: „Jedes Kind hat unterschiedliche Neigungen und so kann dem einen Kind die Igel-Wärmflasche helfen und das andere malt der verstorbenen Oma ein Bild“, erklärt Huhn.
Mehrtätige Fortbildung für Leitungskräfte
Die Auseinandersetzung mit Trauer im Kleinkindalter geschah in der Kita aber nicht willkürlich, sondern folgte auf einen Trauerfall innerhalb der Einrichtung. Anlassbezogen sah das Team der Kita-Fachberatung den Vorfall als Startschuss für eine tiefergehende Beschäftigung mit kindlicher Trauer: „Die Leitungskräfte haben zu dem Thema eine mehrtägige Fortbildung durchlaufen. Diese wurde von der Osnabrücker Hospiz-Akademie durchgeführt und vermittelte neben den entwicklungspsychologischen Aspekten auch den praktischen Umgang mit kindlicher Trauer im Alltag“, so Eike Gongoll, DRK-Fachberater für den Bereich der Kindertagesstätten.
Durch die Leitungskräfte wurde das Thema inzwischen auch in die Teams der Kitas getragen, sodass jede der insgesamt 12 DRK-Kitas im Tecklenburger Land einen eigenen, ganz individuellen Trauerkoffer besitzt.